EXkurse

EXkurse

Theorie trifft Kunst

Theater ist Gegenwart und Gegenwelt. Theater ist Seismograf gesellschaftlicher Entwicklungen. Zeitgenössische Autoren und Regisseure befragen, portraitieren, kristallisieren Gegenwart. Zugleich treibt uns Theatermacher die Sehnsucht nach Nachhaltigkeit und Kontinuität im Einerlei des wechselnden Zeitgeistes an. In dem Theater Texte der Vergangenheit in die Gegenwart holt, schlägt es nicht nur einen Bogen vom Gestern zum heute sondern befragt Gegenwart anhand von Vergangenheit. Theater hinterfragt so gesellschaftliche Entwicklungen auf ihre Herkunft und ihre Nachhaltigkeit. Damit regt es uns an, uns mit Themen zu befassen, die übergeordnete Bedeutung haben, die Menschen vor uns beschäftigt haben und ganz sicher auch nach uns bewegen werden. Theater ist so ein Ausloten des Zeitgeistes ins Vertikale.

Die öffentliche Diskussionsreihe EXkurse ergänzt die künstlerische Perspektive durch die der Wissenschaft. Ausgehend von ausgewählten Produktionen setzt die Reihe inhaltliche Schwerpunkte, auf die sich jeweils ein Wissenschaftler und ein Künstler aus unserem Ensemble in einem Beitrag beziehen – Wissenschaft und Kunst treten so in direkten Dialog miteinander. Im Anschluss laden wir zu einer Diskussion ein.
EXkurse 2010.11 führt die EXkurse-Reihe der vergangenen Spielzeit zu den Themen Zeit, Glaube, Revolution und Geschlecht fort mit folgenden Themen:

EXkurse 5: Tod – Unsere Angst vor der Endlichkeit 2. Dezember 2010
Mit: Prof. Dr. Norbert Fischer (Referent) und Mareke Freudenberg (Gesang)

EXkurse 6: Liebe – Liebe in Zeiten unendlicher Freiheit 28. April 2011
Mit: Sven Hillenkamp (Lesung), Linda Sommerhage, Michael Pietsch (Gesang)

EXkurse 7: Wahrnehmung – Der Schein des Realen. Die Wahrnehmung von Realität aus kognitionswissenschaftlicher Sicht. 12. Mai 2011
Mit: Prof. Dr. Rainer Mausfeld (Referent)

EXkurse 8: Utopie – Visionen und Aspekte einen neuen Weltwirtschaftsordnung 30. Juni 2011 in der Forumskirche St. Peter, Peterstraße (gegenüber des PFL)
Mit: Sven Giegold, Mitglied des europäischen Parlamentes in Brüssel
Eintritt frei!

In Kooperation mit dem Forum St. Peter und der KlimaAllianz Oldenburg

EXkurse 8: Utopie – Visionen und Aspekte einer neuen Weltwirtschaftsordnung

Do 30. Juni 2011, Forumskirche Sankt Peter

Mit Sven Gigold, Mitglied des Europäischen Parlaments in Brüssel

Wie wollen wir leben? In welcher Gesellschaft, unter welchen Bedingungen? Aufgabe von Theater ist es, gesellschaftliche Entwicklungen auf den Prüfstand zu stellen. Zukunft wird von denen gemacht, die über sie nachdenken. Damit ist das Theater nicht allein. Wir haben uns auf die Suche gemacht nach neuen Gesinnungen und Denkansätzen. Denn Klimawandel und Wirtschaftskrisen machen offenkundig, dass Maßnahmen allein nicht ausreichen. Eingeladen haben wir Sven Gigold. Er ist Wirtschaftswissenschaftler, Globalisierungskritiker, Mitbegründer von Attac Deutschland und heute Mitglied im Europäischen Parlament.

Eintritt frei!

 

2. Dezember 2010, 20 Uhr
Exerzierhalle am Pferdemarkt

Mit Mareke Freudenberg und Prof. Dr. Norbert Fischer

Welches Verhältnis hat unsere säkularisierte Mediengesellschaft zum Tod? Gibt es sie noch, die viel zitierte Todesverdrängung aus unserem Alltag? Die Kulturwissenschaft spricht von einer »neuen Sichtbarkeit des Todes« (Thomas Macho): Gemeint sind Selbstins-zenierungen auf virtuellen Friedhöfen schon zu Lebzeiten oder das öffentliche Trauern von Massen und dessen mediale Verwertung, wie es beim Tod von Lady Di oder von Nationaltorwart Robert Enke zu beobachten war. Welchen Stellenwert haben Gedächtnissorte wie Friedhöfe oder Rituale wie das Begräbnis heute noch in den westlichen Gesellschaften? Im Umfeld dieser Fragen bewegt sich der Vortrag von Prof. Dr. Norbert Fischer, Universität Hamburg, der zahlreiche Bücher und Aufsätze u.a. zum Thema Tod und Erinnerungskultur veröffentlichte.
Zu Gast ist zudem Sopranistin und Ensemblemitglied Mareke Freudenberg, die den Vortrag mit Liedbeiträgen ergänzt.

Exkurse 5 steht im Kontext des Opern-Doppelabends Death knocks von Christian Jost und Der Kaiser von Atlantis von Viktor Ullmann, zwei Opern, die sich auf unterschiedliche Weise dem Thema Tod widmen. Der Vortrag setzt den Besuch dieser Vorstellung jedoch keineswegs voraus.

EXkurse 6: Liebe im Zeitalter unendlicher Freiheit

28. April 2011, 20 Uhr
Exerzierhalle am Pferdemarkt

Sven Hillenkamp liest aus seinem Buch: Das Ende der Liebe
Linda Sommerhage und Michael Pietsch interpretieren Lieder zum Thema

Die Liebe – ein Gefühl, eine Utopie, eine unstillbare Sehnsucht. Wir haben den Autor Sven Hillenkamp eingeladen, seine Bestandsaufnahme unserer Liebesfähigkeit vorzustellen: In seinem Buch Das Ende der Liebe aus dem Jahre 2009 diagnostiziert er uns die Unfähigkeit zum verbindlichen, absoluten Lieben. Er erzählt von einer Welt unendlicher Freiheiten, in der die Menschen sich permanent sehnen müssen, weil sie meinen, dass sie immer noch etwas Besseres erreichen könnten: im Job, beim Wohnort, in Beziehungen. Seine Thesen stacheln an zum Widerspruch: Im Anschluss laden wir zu einem Publikumsgespräch.

In der Theoriereihe EXkurse fragen wir Experten nach ihrem Blick auf die Themenkomplexe des aktuellen Spielplans. Ob Tosca, Die Walküre oder Die Dreigroschenoper, die Liebe ist ein thematischer Dauerbrenner auf der Theaterbühne.
Der Soziologe und Journalist Sven Hillenkamp war Redakteur bei der »Zeit« und lebt als freier Autor in Berlin und Stockholm.

In Kooperation mit dem Forum St. Peter

EXkurse 7: Wahrnehmung – Der Schein des Realen

12. Mai 2011, 20 Uhr
Exerzierhalle am Pferdemarkt

Mit Prof. Dr. Rainer Mausfeld, Professor für Psychologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

In der Reihe EXkurse - Theorie trifft Kunst fragen wir Experten nach ihrem Blick auf die Themen unserer Spielzeit. Im Kontext der Aufführung von Kafkas Der Prozess geht der Psychologe Prof. Dr. Rainer Mausfeld der Frage nach, was es mit der Realität, die wir wahrzunehmen glauben, eigentlich auf sich hat: Ist die Welt wirklich so, wie sie sich in unserer Wahrnehmung darstellt? Wenn wir etwas als ‚real’ wahrnehmen, so sind wir überzeugt, dass es mit den objektiven Gegebenheiten der Außenwelt übereinstimmt. Tatsächlich ist jedoch, wie die Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung zeigt, ‚Realität’ eine interne Bedeutungskategorie unseres Geistes: Was wir als ‚real’ und ‚unreal’ wahrnehmen, wird gerade nicht durch die Außenwelt festgelegt, sondern durch vorgegebene Kategorien unseres Geistes. Wir sind befähigt, dieselbe Situation zugleich als ‚real’ und ‚unreal’ wahrzunehmen (wie z.B. beim Theater oder Film). Diese komplexe und vermutlich humanspezifische Befähigung zu einer Art ‚doppelter Buchführung’ bei der Realitätswahrnehmung stellt eine wesentliche Grundlage der menschlichen Kulturentwicklung dar.

 

 

EXkurse 5: Tod – Unsere Angst vor der Endlichkeit.