Es ist bemerkenswert, wie Stöpplers Inszenierung in jedem Moment mit dem Text zusammenpasst. Ein intelligentes, sinnliches und emotionales Vergnügen ist dieser 'Faust'! Auch musikalisch konnte die Aufführung rundweg überzeugen. [...] Thomas Dorsch und das Oldenburgische Staatsorchster fächerten Gounods herrliche Musik mit klanglicher Opulenz auf; besonders die dramatischen Szenen erhielten überwältigende Wucht. Das gilt auch für den hier besonders geforderten Chor und den Extrachor in der Einstudierung von Thomas Bönisch.
(Weser Kurier)
Johann Wolfgang Goethe beschäftigte sich fast sein ganzes Leben mit der Bearbeitung des mittelalterlichen Fauststoffs. Bei ihm wurde der Mythos des Menschen, der sich über Gottes Allmacht erhebt, zur Geschichte des lebensüberdrüssigen Gelehrten, der seine Seele dem Teufel nicht etwa um der letzten Erkenntnis willen verkauft, sondern für einen einzigen Moment innerer Zufriedenheit. Diesem Seelenfrieden ist Faust zu keinem Augenblick näher als in der Liebe zu einer jungen Frau: Gretchen. Und eben diese Figur war es, die den französischen Komponisten Charles Gounod so sehr faszinierte, dass er seinerseits seit frühester Jugend den Goetheschen Faust zu einer Oper verarbeiten wollte. Von den ersten Ideen bis zur Uraufführung dauerte es mehr als 20 Jahre. Entstanden ist eine in ihrer Musiksprache an die großen deutschen Komponisten Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy erinnernde hochromantische Adaption des Stoffs, die die zwischenmenschlichen Konflikte in den Mittelpunkt stellt und in ihrer Gefühlsbetontheit wiederum typisch französisch anmutet.
Charles Gounods 1859 uraufgeführtes Werk war von Anfang an ein Publikumsrenner. In Frankreich und besonders im englischsprachigen Ausland erfreute sich Faust (Margarete) großer Beliebtheit. An der Metropolitan Opera New York und am Londoner Covent Garden stand das Werk seit seiner Uraufführung fast durchgehend auf dem Spielplan. In Deutschland erlebte die französische Oper in den letzten Jahrzehnten einen ungeahnten Aufschwung, was nicht zuletzt an Gounods hinreißenden Melodien und großartigen Gesangspartien liegen mag.
Inszeniert wird die Oper von Elisabeth Stöppler, die am Oldenburgischen Staatstheater bereits erfolgreich Christoph Willibald Glucks Orphée et Eurydice, Giuseppe Verdis La traviata und zuletzt Jules Massenets Werther in Szene gesetzt hat.
Im September 2009 wurde Elisabeth Stöppler für Ihre Inszenierung von Peter Grimes am Gelsenkirchener Musiktheater mit dem Regiepreis der Götz-Friedrich-Stiftung ausgezeichnet.

