»Das der etwa achtzig Minuten dauernden Vorstellung fast atemlos lauschende Premierenpublikum belohnte alle Akteure samt Regieteam mit reichlichem Beifall, wobei Linda Sommerhage für die exzellente Darstellung der Titelrolle mit einigen Bravorufen bedacht wurde.« (Der Neue Merker)
Julie ist die Tochter eines Grafen. Sie ist selbstbewusst, schön und nicht bereit, sich in die Rolle der gehorsamen Ehefrau zu fügen. An Julies Anspruch, sich keinem Mann unterzuordnen, ist ihre Verlobung gescheitert – nun verbringt sie den Sommer auf dem Herrensitz ihres Vaters. Die Angestellten feiern die Mittsommernacht und Julie sucht auf dem Fest Zerstreuung. Sie verführt den Kammerdiener Jean unter den Augen seiner Verlobten, der Köchin Christine – und im Verlauf der Nacht entwickelt sich aus dem Flirt ein erbitterter Kampf um Liebe und Macht. Die Beziehung scheitert am Standesunterschied sowie an dem Versuch, den jeweils anderen dominieren zu wollen.
Mit Fräulein Julie erschuf August Strindberg, in Form eines nur mit drei Personen besetzten Kammerspiels, eines der Schlüsselwerke des Naturalismus. Es zeigt, wie sich eine Liebesbeziehung unter dem Druck gesellschaftlicher Normvorstellungen von innen heraus aufreibt und wie die beiden Protagonisten an den Nichtvereinbarkeiten der individuellen Ansprüche scheitern. Der Komponist Antonio Bibalo vertonte Strindbergs Kammerspiel 1975 für die Bühne und erschuf eine der bis heute meistgespielten Opern des 20. Jahrhunderts. In der 1984 revidierten, mit drei Darstellern und sechs Musikern – einem Streichquintett und einem Klavier – besetzten Version als Kammeroper wird William Robertson Fräulein Julie auf der Bühne des Kleines Hauses inszenieren. Robertson ist seit 2009.2010 als Regieassistent am Oldenburgischen Staatstheater engagiert und gibt mit der Produktion sein Oldenburger Regiedebüt.

