Eine packende Neuinszenierung der wohl finstersten aller Shakespeare-Phantasien, des König Lear, hat K.D. Schmidt auf die Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters gebracht. Er überraschte das Premierenpublikum mit einer modernen, und doch authentischen Version der Tragödie, einem sehenswerten Lehrstück über die Natur des Menschen. [...] Hartmut Schories, vom Thalia Theater Hamburg nach Oldenburg gewechselt und ein echter Gewinn, ist ein großartiger Lear, der die Figur des Königs in all ihren Facetten deutlich heraus arbeitet: vom sich selbst überschätzenden, hochmütigen und altersstarrsinnigen Herrscher bis zum verrückten Obdachlosen, dessen verworrener Geist Zipfel der Erkenntnis zu fassen sucht. [...] Fazit: Eine Aufführung nicht nur für Shakespeare-Fans...
(Diabolo)
König Lear will sein Amt ab- und seinen Lebensabend antreten. Aber will er das wirklich? Er verschenkt sein Reich, teilt es unter seinen Töchtern auf, doch verlangt dafür den absoluten Liebesbeweis: Diejenige, die ihn am meisten liebt, soll den größten Teil erhalten. Ausgerechnet sein Liebling Cordelia verweigert ihm wortreiche Liebesbeteuerungen und wird daraufhin von ihm verstoßen. Mit dieser Tat beginnt die Tragödie: ein Kampf der Generationen, der fortan als Riss durch die Welt geht. Lear zieht von Tochterhaus zu Tochterhaus – doch man setzt ihn überall vor die Tür. Obdachlos, den Naturgewalten ausgeliefert, begegnet er anderen Verstoßenen: Gloucesters Sohn Edgar in der Maske eines verrückten Bettlers, der vor dem eigenen Vater auf der Flucht ist. Kent, verstoßen, weil er für Cordelia eintrat, folgt seinem König in Verkleidung. Zuletzt stößt Gloucester zu ihnen, der von den neuen Machthabern für seine Königstreue aufs Grausamste bestraft wurde.
Inszeniert wird diese dunkelste aller Shakespeare-Welten vom leitenden Regisseur K.D. Schmidt, der in Oldenburg unter anderem Gerhart Hauptmanns Die Ratten und Adams Äpfel nach Anders Thomas Jensen erfolgreich auf die Bühne gebracht hat.
