Die deutschsprachige Erstaufführung hat sich gelohnt. Moira Buffinis Stück ist vor allem geglückt, weil es der Dramatikerin gelingt, einen neuen Blick auf Theben zu werfen. (Deutschlandradio)
Theben irgendwann im 21. Jahrhundert. Nach einem langen schmerzvollen Bürgerkrieg hat Eurydike die Macht übernommen – nicht wie in der griechischen Sage ihr Mann Kreon. Sie wurde gewählt und regiert das Land mit einem reinen Frauenkabinett. Doch Eurydike hat es nicht leicht, da sich die Opposition, ehemalige Militärs, mit ihrer Situation nicht abfinden kann. Zudem bekommt sie noch Besuch vom ›Ersten Bürger von Athen‹: Theseus, der ihr beim Wiederaufbau des Landes helfen soll, damit jedoch nicht zuletzt eigene Interessen verfolgt. Eurydike versucht eine Politik des Kompromisses und der Versöhnung. Und sie muss erleben, wie schwer dies ist.
Moira Buffini, die unter anderem das Drehbuch der aktuellen Jane Eyre-Verfilmung schrieb, verbindet in ihrem Stück aktuelle Themen – wie das Entstehen neuer Demokratien, die Arroganz des Westens oder die Kommunikationsprobleme der Geschlechter – mit den Sagen des klassischen Altertums und gewinnt ihnen außergewöhnliche Wendungen ab. Vorbild für ihre Eurydike war Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf: Sie war die erste Frau, die durch eine Wahl das Amt des Staatsoberhauptes in Afrika erlangte und erhielt 2011 den Friedensnobelpreis.
Inszeniert hat dieses große Ensemblestück Christina Rast, die am Oldenburgischen Staatstheater Eine Woche voller Samstage und Alice im Wunderland in Szene gesetzt hat und unter anderem in Graz, Aachen und Hannover tätig ist.



