»Thomas Lichtenstein spielt den vollschleimigen Tartuffe. Wunderbar, wie er vollmundig Askese predigt. Zum Erfolg tragen alle bei, besonders Caroline Nagel als Zofe mit Mutterwitz und Gilbert Mieroph als stutziger Orgon.
Zwischen Molières Drama und unserer Zeit klaffen fast 350 Jahre. Sie nicht zu spüren ist ein Verdienst dieser Inszenierung. Tüchtiger Beifall.« (Nordwest-Zeitung)
Orgon hat alles, was man sich wünschen kann: Er ist vermögend, hat zwei wohlgeratene Kinder, die demnächst gute Partien auf dem Heiratsmarkt abgeben werden, und eine sehr attraktive zweite Ehefrau Elmire. Trotzdem ist da etwas, das bei ihm ein Gefühl des Mangels erzeugt, eine Leerstelle, ein Vakuum. In diesem Zustand hat er Tartuffe kennengelernt. Er ist fasziniert von dessen Frömmigkeit und persönlicher Ausstrahlung. Er glaubt, dass diese Begegnung seinem Leben eine neue Wendung gibt, die Leerstelle ausfüllen wird.
Um Tartuffe an sich zu binden, hat er ihn in sein Haus geholt und bewirtet ihn fürstlich. Orgon geht sogar noch einen Schritt weiter: Aus Angst, seinen Heilsbringer Tartuffe verlieren zu können, will er ihm seine Tochter Marianne zur Frau geben.
Tartuffe kommt wie ein Hurrikan über die Familie. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr, wie es einmal war. Das bis jetzt offene Haus wird zu einer Festung. Auf einen Schlag sind alle Vergnügungen verboten und weder Elmire noch die Kinder kommen mehr an Orgon heran. Deshalb schmieden sie einen Plan, wie sie Tartuffe wieder loswerden können. Aber dieser ist auch nicht untätig.
Inszeniert wird diese böse Komödie über Heuchelei und Verführungskunst von Hausregisseur Marc Becker, der in Oldenburg in der letzten Spielzeit unter anderem Der nackte Wahnsinn auf die Bühne gebracht hat.



