Biedermann und die Brandstifter

von Max Frisch

Ein Lehrstück ohne Lehre (1957/ 58)

Besetzung

Inszenierung: Marc Becker
Ausstattung: Nadia Fistarol
Dramaturgie: Catharina Hartmann

Herr Biedermann: Bernhard Hackmann
Babette, seine Frau: Caroline Nagel
Anna, ein Dienstmädchen: Hanna Franck
Schmitz, ein Ringer: Klaas Schramm
Eisenring, ein Kellner: Denis Larisch
Polizist/Chor: Thomas Birklein
Dr. Phil/Chor: Rüdiger Hauffe

Vorstellungen

Fr 01.06.12 (zum letzten Mal)

»Der Grat zwischen Vertrauen und Misstrauen, zwischen Menschlichkeit und Egoismus, er bleibt ein schmaler. Viel Applaus.« (BILD Bremen)


»Wie Becker das inszeniert, wie er die Diskrepanz offenlegt zwischen moralischem Anspruch in der Theorie und unmoralischem Handeln in der Praxis, das zeugt insgesamt von fundierter Lektüre und Bewusstsein für schlüssige Bühnenästhetik.
Großartig ist Caroline Nagel, die in Biedermanns Ehefrau den Widerspruch aus dem Ekel vor der Feigheit des Ehemans einerseits und der eigenen Feigheit andererseits wunderbar sinnhaft werden lässt. Nein, Belehrung ist an diesem Abend nicht zu befürchten. Sogar der leicht didaktisch geratene Schlusschor fällt sicherheitshalber dem Rotstift zum Opfer. Was aus dem Gezeigten zu lernen ist: In der Schule erklärt so was der Lehrer. Im Theater darf man sich das selbst ausmalen.« (Kreiszeitung)

Gottlieb Biedermann hat Besuch. Ein ehemaliger Zirkusringer hat sich auf seinem Dachboden eingenistet und – ungefragt – einen zweiten Obdachlosen dort untergebracht. Eigentlich fürchten sich Biedermann und seine Frau vor den beiden Gestalten, die nachts über ihren Köpfen rumpeln und dort mit merkwürdigen Gegenständen hantieren; gerade jetzt, wo überall in der Stadt die Dachböden von unbekannten Brandstiftern angezündet werden. Aber man will ja kein ängstlicher Spießer sein und die (vermutlich doch harmlosen) Mitmenschen einfach auf die Straße setzen. So demonstrieren die Eheleute Biedermann Vertrauen und Offenheit und laden die ungebetenen Gäste, als die Furcht am größten ist, sogar an ihren Esstisch. Zu ihren Erzählungen über die günstigsten Brennmaterialien und verkohlte Ex-Arbeitgeber lacht Biedermann höflich. Auch ihrer Bitte nach Streichhölzchen kommt er umgehend nach. Aber sind Dutzende Fässer Benzin auf dem Dachboden nicht doch ein Grund zum Handeln?

Die Inszenierung von Hausregisseur Marc Becker setzt auf die komödiantischen Momente, die aus der Verblendung des Herrn Biedermann und dem dreisten Witz der Brandstifter entstehen und verspricht ein brandheißer Theaterabend zu werden.

Biedermann – Liebenswert, durchschnittlich, ebenso wohlwollend wie feige, das meiste was eintritt, ließe sich voraus-
sehen, wenn man den Mut dazu hätte – aber wenn man den Mut hätte, es vorauszusehen, müsste man eingreifen, handeln, ändern, und das will Biedermann nicht; er ist lieber Optimist und verkohlt.
(Max Frisch)