Darsteller und Regie zelebrieren prachtvoll diesen Kindergeburtstagsrealismus. Ganz beiläufige Hinweise auf eine Kindheit, die ja längst nicht mehr den Kindern gehört, sondern zum Fetisch der Erwachsenen geworden ist, die vor dem Fluch des Alterns ihren Kult des Jungseins bis zum Kindischen treiben.
Dieses Phänomen, anderswo gern kritisch bis selbstironisch dargestellt, wird von Marc Becker spektakulös abgefeiert, um es gerade dadurch umso wirkungsmächtiger auszustellen. Denn das äußerst spaßige Infantilitätstheater funktioniert prima als 3-D-Projektionsfläche. Bedeutung erschließt sich eben nicht aus dem, was wie gemacht wird, sondern aus den Peter-Pan-Assoziationen, die von der Bühnensituation als solcher nahe gelegt werden.
(Die Deutsche Bühne)
von Marc Becker
Unsere Zeit ist geprägt von der Weigerung des einzelnen erwachsen zu werden. Immer mehr Menschen versuchen ihre Jugend bis hart an den Vorruhestand zu verlängern. Immer weniger können sich vorstellen, dass ein selbst bestimmtes Leben aus Tradition und Hingabe an geistige Werte wie Respekt oder Verantwortung für das eigene Tun kommen könnte. Denken und Handeln in langfristigen Perspektiven und die Auseinandersetzung mit den eigenen kulturellen Wurzeln werden mehr und mehr zugunsten von schnellem Ruhm, Geld, und Unterhaltung aufgegeben.
Marc Becker lässt in seinem neuen Stück die zunehmende Verkindlichung der Gesellschaft hochleben. Auf dem Vorplatz der Exerzierhalle entsteht während des PAZZ-Festivals eine Zone der erlösenden Gruppeninfantilität.



