2401 Objects (UA)

von Hannah Barker, Lewis Hetherington und Liam Jarvis
Eine Koproduktion von Analogue, dem Oldenburgischen Staatstheater und dem New Wolsey Theatre (Großbritannien)
Entwickelt am National Theatre Studio und Farnham Maltings; in englischer Sprache

Besetzung

Inszenierung: Analogue
Text: Hannah Barker, Lewis Hetherington und Liam Jarvis
Ausstattung: Anike Sedello
Musik: Alexander Garfath
Video: Thor Hayton
Dramaturgie: Lewis Hetherington/Jörg Vorhaben

Mit: Alexandra Maher; Paula Hassall, Simon Yadoo

Vorstellungen

Fr 04.05.12 (zum letzten Mal)

Textbuch ab sofort im Handel erhältlich

Ab sofort ist das Textbuch zu 2401 Objects im Handel erhältlich. Das Stück von Hannah Barker, Lewis Hetherington und Liam Jarvis ist im Oberon Modern Plays-Verlag erschienen. Die ISBN-Nummer lautet: 978-1-84943-195-8.

»In einem fantastischen Doku-Spiel entfaltet sich die dramatische Geschichte: schnörkellos, geradeaus, fix – in etwas mehr als einer Stunde –, nicht ohne Humor und doch anrührend.«
(Nordwest-Zeitung)

1953: Ein Patient unterzog sich einer experimentellen Gehirnoperation, die ihn mit einer retrograden, sowie einer anterograden Amnesie zurückließ – Er verlor die Erinnerung an die letzten zwei Jahre seines Lebens und die Möglichkeit, neue Erinnerung zu bilden.

Am 2. Dezember 2008 sezierten Wissenschaftler dieses Gehirn, dessen Untersuchung unser Verständnis, wie das Gedächtnis arbeitet, grundlegend veränderte. Diese Operation wurde live im Internet gesendet und weltweit von 400,000 Menschen gesehen. Dieses Gehirn gehörte einem Mann namens Henry Molaison (H.M.), ein Amnesiepatient, der sein Leben ewig in der Gegenwart lebte.

Henrys Gehirn existiert nun in 2401 siebzig-micro-dünnen Scheiben; Manuskripte des Gewebes, wie Seiten eines Buches, das die Geschichte eines Mannes erzählt, der sich nicht länger erinnern konnte, der aber probierte nicht mehr zu vergessen.

Henry lebt jeden Tag wie den Letzten. Genau wie den Letzten. Er kann sich nicht an die Frau neben ihm im Bett erinnern. Er kann sich nicht daran erinnern, wie er sich in sie verliebt hat. Er kann sich nicht daran erinnern, wie sie sein Leben änderte, als er eines schönen Tages lesend unter einem Baum saß.

Inspiriert durch diesen berühmten Fall wird sich die Gruppe Analogue in 2401 Objects damit auseinandersetzen, wie sehr unser Gedächtnis unsere Auffassung davon formt wer wir sind und was es bedeutet zu einem Leben in einen endlosen Kreislauf verurteilt zu sein. Was würdest du verlieren, wenn die letzten beiden Jahre verschwunden sind, und wie würde es diejenigen beeinflussen, die sich unglücklicherweise erinnern können?

Analogue ist eine der spannendsten aufstrebenden Theatergruppen in Großbritannien, die schon diverse Preise für ihre kraftvollen und sehr visuellen Vorstellungen erhalten haben. 2008 waren sie mit Mile End zu Gast beim PAZZ-Festival.

Eine Analogue, Oldenburgisches Staatstheater und New Wolsey Theatre Koproduktion.

Entwickelt am National Theatre Studio und Farnham Maltings.

Pressezitate

»Wir glauben stets, wer sein Erinnerungsvermögen verliert, dem entgleite seine Vergangenheit. Doch Henry Molaison, der wohl berühmteste Amnesie-Patient der Medizingeschichte, verliert im Jahr 1953 seine Zukunft: Ein experimentierfreudiger Arzt entfernt ihm den Hippocampus, um Henrys epileptische Anfälle zu minimieren. Die sind nach dem Eingriff zwar weg, aber auch Henrys Fähigkeit, Erinnerungen abzuspeichern. Jenseits des Jahres 1953 kann Henry Molaison keine Erfahrungen machen, denn alle sinnlichen Eindrücke vergisst er sofort.

Der Theaterabend der britischen Gruppe Analogue zeigt eindrucksvoll, was das bedeutet: Henry bleibt seinem Empfinden nach ein Leben lang 27. Da erfolgte die Operation, danach ist nichts geschehen, was in seinem Hirn einen Abdruck hinterlassen hätte. Henry kann Kreuzworträtsel lösen, er teilt mit dem Personal des Pflegeheims, in dem er seine letzten zwanzig Lebensjahre verbringt, seine Kindheitserinnerungen. Aber er erzählt die selbe Geschichte immer wieder, weil er sich nicht erinnern kann, sie erzählt zu haben.

Die vielleicht ergreifendste Szene dieses berührenden, verstörenden und sehr lustigen Theaterabends ist jene, da Henry Molaison als alter Mann in den Spiegel blickt und auf die Frage: „Wie alt sind sie?” antwortet: „Na vielleicht so Anfang Dreißig?” Pieter Lawman als alter und Sebastien Lawson als junger Henry, durch die halb durchsichtige dunkle Leinwand getrennt, blicken einander an. So sieht Henry sich: als jungen Mann. Als der, der er war im Moment des zerstörerischen Eingriffs. Sein Spiegelbild, das gealterte Gesicht, kann er sich nicht zuordnen.«

(Nachtkritik, Elske Brault, 18.6.2011)