Kátja Kabanová

Oper in drei Akten (1921) von Leoš Janácek
Libretto vom Komponisten nach dem Schauspiel Das Gewitter von Alexandr Nikolajewitsch Ostrowski (1860)

in tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Besetzung

Musikalische Leitung: Thomas Dorsch
Inszenierung: Lydia Steier
Bühne: Flurin Borg Madsen
Kostüme: Ursula Kudrna
Chor: Thomas Bönisch
Dramaturgie: Lars Gebhardt
Licht: Philipp Wiechert

Sawjol Prokofjewitsch Dikoj: Andrey Valiguras/ Daniel Henriks
Boris Grigorjewitsch: Daniel Ohlmann/ Mark Duffin
Marfa Ignatjewna Kabanowa: Jayne Casselman
Tichon Iwanytsch Kabanoff: Alexej Kosarev
Katherina: Valérie Suty
Wanja Kudrjasch: Michael Pegher
Varvara: Linda Sommerhage/ Stefanie Schaefer
Kuligin: Henry Kiichli
Glascha: Annekathrin Kupke / Undine Mentzel
Fekluscha: Sharon Starkmann / Daniela Köhler

Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters
Oldenburgisches Staatsorchester

Vorstellungen

Juni: Sa 30. (zum letzten Mal)

»Regisseurin Lydia Steier hatte eine faszinierende Optik für das Werk entwickelt. Mit Hilfe der Drehbühne schnell wechselnde Bilder evozierten eine Realität, die immer wieder von albtraumhaften Zügen durchbrochen wird. Dazu eine plastische oft im Clair-obscur verharrende Lichtregie und eine äußerst lebendige Personenführung. Das Publikum bejubelte den kurzen Abend mit enthusiastischen Bravos.« (Weserkurier)

Eingeengt zwischen selbstgestellten Ansprüchen und familiärem Druck lebt die junge Kátja in der russischen Provinz: Ihr Mann Tichon ist ein schwaches Muttersöhnchen, das allzu gern dem Alkohol zuspricht, die Schwiegermutter Kabanicha eine tyrannische Matriarchin und kühle Pietistin. Die Kaufmannsfamilien Kabanov und Dikoj kontrollieren mit ihren moralischen und marktwirtschaftlichen Grundsätzen die Stadt: Gerade als junge Frau hat man vor allem eines: zu funktionieren. Nur Varvara, Pflegetochter im Hause Kabanov, und Kudrjasch, ein junger Lehrer, suchen sich ihren eigenen Weg der freien Liebe in der beengten Gesellschaft. Als Tichon die Stadt für eine Geschäftsreise verlässt, findet Kátja in dem Zugereisten Boris die Erwiderung ihrer Leidenschaften und schließlich die ersehnte, doch auch gefürchtete, sexuelle Befriedigung. Kátja kämpft mit Selbstvorwürfen und kann ihren Fehltritt nicht verschweigen. Sie beichtet während eines Gewitters der versammelten Dorfgemeinschaft und ihrer bigotten Schwiegermutter den Ehebruch. Der Alltag geht weiter, doch Kátja kann mit ihrer Schuld nicht leben und sucht den Freitod.
Schon die Vorgängeroper Jenůfa machte den tschechischen Komponisten Leoš Janáček bekannt. Mit Kátja Kabanová wurde er zu einem der bedeutendsten Opernkomponisten aller Zeiten. Hier wird das Orchester zum eigentlichen Träger der dramatischen Ereignisse: Unter der Leitung von Thomas Dorsch wird das Oldenburgische Staatsorchester die überaus kraftvolle, konzentriert emotionale Musiksprache Janáčeks entfesseln, die so anschaulich das tragische Zerbrechen Kátjas im Korsett gesellschaftlicher Konventionen schildert.
Regisseurin Lydia Steier, die in der letzten Spielzeit mit einer opulenten und intelligenten Inszenierung von Händels Saul das Publikum auf dem Fliegerhorst begeisterte, kehrt jetzt mit Kátja Kabanová an das Oldenburgische Staatstheater zurück. In einer realistisch-surrealistischen Szenerie spielt sich die Tragödie Kátjas zwischen Stummfilmkulisse, engen expressionistischen Räumen und alptraumhafter Puppenwerkstatt ab.